Frühe Menschen im Jordantal: Neue Beweise verschieben die Zeitachse um 300.000 Jahre

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Neue Forschungsergebnisse bestätigen, dass Homininen vor fast 1,9 Millionen Jahren das Jordantal bewohnten – deutlich früher als bisher angenommen. Diese Entdeckung konzentriert sich auf die archäologische Stätte Ubeidiya in Israel und stellt unser Verständnis der frühen menschlichen Migration aus Afrika und der Verbreitung von Werkzeugherstellungstechnologien neu dar. Die Ergebnisse stellen Ubeidiya auf eine vergleichbare Zeitachse mit Dmanisi, Georgia, einem weiteren wichtigen Ort der menschlichen Evolution.

Die Ubeidiya-Site: Ein historischer Überblick

Die 1959 erstmals ausgegrabene Ubeidiya-Formation ist seit langem für ihre charakteristischen Acheuléen-Handaxte und ihre vielfältige Fossilienfauna bekannt. Während das Vorhandensein fortschrittlicher Steinwerkzeuge auf eine frühe menschliche Aktivität hindeutete, blieb die Bestimmung des genauen Alters der Stätte jahrzehntelang eine Herausforderung. Frühere Schätzungen reichten von vor 1,2 bis 1,6 Millionen Jahren, stützten sich jedoch auf relative Datierungsmethoden – den Vergleich von Schichten statt auf absoluten Zeitlinien.

Das Alter triangulieren: Drei unabhängige Methoden

Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem verwendeten drei verschiedene Datierungstechniken, um eine genauere Zeitleiste zu erstellen:

  • Magnetostratigraphie: Analyse von Spuren des alten Erdmagnetfelds, die in Seesedimenten konserviert sind. Verschiebungen der magnetischen Polarität wirken wie Fingerabdrücke und ermöglichen es Forschern, Schichten bekannten Umkehrungen in der Erdgeschichte zuzuordnen.
  • Uran-Blei (U-Pb)-Datierung: Analyse versteinerter Melanopsis-Gehäuse (Süßwasserschnecken). Uran zerfällt mit einer vorhersehbaren Geschwindigkeit zu Blei, was ein Mindestalter für die umliegenden Sedimente darstellt.
  • Bestattungsdatierung kosmogener Isotope: Messung seltener Isotope, die entstehen, wenn kosmische Strahlung auf Felsen an der Oberfläche trifft. Sobald diese Isotope vergraben sind, zerfallen sie, wodurch eine geologische Uhr in Gang gesetzt wird, die anzeigt, wie lange sich das Gestein schon unter der Erde befindet.

Die Konvergenz dieser Ergebnisse – die alle auf ein Alter von mindestens 1,9 Millionen Jahren hinweisen – festigt die neue Zeitachse.

Implikationen für menschliche Migration und Technologie

Diese überarbeitete Datierung hat erhebliche Auswirkungen. Es deutet darauf hin, dass sich die frühen Homininen gleichzeitig von Afrika aus über mehrere Regionen ausbreiteten. Insbesondere das Vorhandensein einfacherer Oldowan-Werkzeuge und der fortschrittlicheren Acheulean-Technologie in Ubeidiya deutet darauf hin, dass verschiedene Gruppen von Homininen, jede mit unterschiedlichen Werkzeugherstellungstraditionen, ungefähr zur gleichen Zeit aus Afrika eingewandert sind.

Die Studie unterstreicht, dass die frühe menschliche Expansion kein linearer Prozess war, sondern ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Gruppen, Technologien und Umgebungen.

Die Tatsache, dass Ubeidiya und Dmanisi nun auf ähnliche Zeiträume datiert werden, stellt frühere Annahmen über die Richtung und den Zeitpunkt der frühen Ausbreitung der Homininen in Frage. Diese neuen Beweise deuten darauf hin, dass Homininen nicht nur von Afrika durch die Levante zogen; Sie verzweigten sich gleichzeitig in mehrere Gebiete.

Diese in Quaternary Science Reviews veröffentlichte Forschungsarbeit liefert ein entscheidendes Update zur menschlichen Evolutionsgeschichte und erinnert uns daran, dass sich unser Verständnis der Vergangenheit durch neue Entdeckungen ständig weiterentwickelt. Die Studie hebt hervor, dass die Geschichte der frühen menschlichen Migration weitaus nuancierter und geografisch vielfältiger ist als bisher angenommen.