Wanderfische stehen vor Zusammenbruch: UN ruft zu dringendem Schutz auf

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Die Bestände wandernder Süßwasserfische gehen in besorgniserregendem Tempo zurück, wobei die Zahl in den letzten 50 Jahren um 81 % zurückgegangen ist. Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen unterstreicht die dringende Notwendigkeit verstärkter Schutzbemühungen, um einen weiteren Rückgang dieser Arten zu verhindern, die sowohl für Ökosysteme als auch für den Lebensunterhalt der Menschen lebenswichtig sind.

Das Ausmaß der Krise

Ein internationales Wissenschaftlerteam untersuchte über 15.000 Süßwasserfischarten – die Hälfte aller Fische weltweit – und stellte fest, dass die Krise viel tiefer geht als bisher angenommen. Der Bericht priorisiert 30 Flaggschiffarten, darunter den Goldenen Mahseer und den Goonch-Wels, für sofortige Schutzmaßnahmen. Diese Fische sind nicht nur ökologisch wichtig; Sie versorgen rund 200 Millionen Menschen weltweit mit Nahrungsmitteln.

Der Rückgang ist auf mehrere miteinander verbundene Bedrohungen zurückzuführen. Staudämme, Umweltverschmutzung und Überfischung verhindern gemeinsam, dass Fische wichtige Brutstätten erreichen. Einige Arten, wie der tropische Aal in Ozeanien, unternehmen Wanderungen über Tausende von Kilometern, wodurch sie besonders anfällig für fragmentierte Lebensräume sind.

Warum das wichtig ist

Der zunehmende Verlust dieser Fische ist nicht nur ein Umweltproblem: Er wirkt sich auch direkt auf die menschliche Gemeinschaft aus. Süßwasserfische sind für viele Populationen eine wichtige Proteinquelle, und mehrere Arten haben eine tiefe kulturelle und spirituelle Bedeutung. Der goldene Mahseer beispielsweise wird im Himalaya als „Tiger des Flusses“ verehrt.

Die Krise wird dadurch verschärft, dass Wanderfische häufig internationale Grenzen überschreiten, was koordinierte Schutzbemühungen erfordert. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Erhaltung wandernder Arten (CMS) bietet einen Rahmen für eine solche Zusammenarbeit, und der Bericht schlägt vor, die 30 vorrangigen Fische bei seiner nächsten Sitzung in den Vertrag aufzunehmen.

Hindernisse für die Erholung

In Europa stoßen wandernde Fische im Durchschnitt jeden Kilometer auf Hindernisse – Dämme, Wehre und Durchlässe. Während viele dieser Barrieren überflüssig sind und entfernt werden könnten, entzieht ihr kumulativer Effekt den Energiereserven der Fische und macht sie anfälliger für Krankheiten und Raubtiere.

Das CMS hat in der Vergangenheit Erfolge gezeigt. Die Saiga-Antilope, die einst durch Wilderei vom Aussterben bedroht war, erholte sich wieder auf über eine Million Exemplare, nachdem im Rahmen des Vertrags eine internationale Aktion zur Bekämpfung der Wilderei gestartet wurde. Allerdings räumen die Vereinten Nationen ein, dass Wanderfische im Vergleich zu besser sichtbaren Arten wie Großkatzen oder Walen lange Zeit übersehen wurden.

Der Bericht unterstreicht, dass jetzt Maßnahmen erforderlich sind, um katastrophale Verluste in diesen kritischen Ökosystemen zu verhindern. Ohne koordinierte Schutzmaßnahmen wird sich der Rückgang der Wanderfische fortsetzen, mit weitreichenden Folgen sowohl für die Tierwelt als auch für die menschliche Bevölkerung.