Das austrocknende Klima Ostafrikas beschleunigt den Kontinentalriss

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Ostafrika spaltet sich immer schneller auf, und neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies nicht nur ein geologischer Prozess ist, sondern direkt vom austrocknenden Klima der Region beeinflusst wird. Eine in Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Rückgang des Seespiegels in den letzten 5.000 Jahren und der Beschleunigung der tektonischen Aktivität entlang der Ostafrikanischen Riftzone.

Die wechselseitige Beziehung zwischen Klima und Plattentektonik

Jahrzehntelang gingen Wissenschaftler davon aus, dass tektonische Kräfte das Klima beeinflussen: Die Bildung von Bergen verändert beispielsweise die Niederschlagsmuster. Diese Forschung zeigt jedoch, dass auch das Gegenteil der Fall ist. Änderungen des Wassergewichts und des Untergrunddrucks, die durch Klimaveränderungen verursacht werden, wirken sich direkt darauf aus, wie schnell sich Kontinente bewegen.

Die Studie konzentrierte sich auf den Turkana-See in Kenia, der während der feuchteren afrikanischen Feuchtperiode (vor etwa 9.600 bis 5.300 Jahren) einst 500 Fuß tiefer war. Durch die Analyse alter Seebodensedimente stellten Forscher fest, dass sich die Verwerfungslinien rund um den See schneller zu bewegen begannen, als das Klima austrocknete und der Wasserspiegel sank.

Wie austrocknende Seen die Kontinentaldrift beschleunigen

Der Effekt ist messbar: Verwerfungen bewegen sich jetzt pro Jahr um zusätzliche 0,17 Millimeter schneller. Während Afrika bereits jährlich um 0,25 Zoll (6,35 Millimeter) auseinanderbricht, ist diese Beschleunigung nicht unerheblich. Der Prozess funktioniert auf zwei Arten:

  • Reduzierter Druck: Weniger Wasser bedeutet weniger Gewicht auf der Erdkruste. Dadurch können sich Verwerfungslinien freier bewegen, als würde man einen Schraubstock auf zwei Felsplatten lösen.
  • Vulkanische Aktivität: Das austrocknende Klima dekomprimiert auch den Mantel unter einem Vulkan auf der Südseite des Turkana-Sees. Diese Dekompression führt dazu, dass mehr Magma schmilzt und die Kammer des Vulkans aufbläht, was die tektonische Belastung der nahegelegenen Verwerfungen erhöht.

Langfristige Implikationen und zukünftige Forschung

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Erdbebenaktivität in der Region heute wahrscheinlich ausgeprägter ist als vor 8.000 Jahren. Dies ist nicht nur ein theoretisches Problem; Der Spaltungsprozess Ostafrikas wird den Kontinent schließlich in zwei Platten spalten und dazwischen einen neuen Ozean bilden.

Forscher weiten ihre Studien nun auf den Malawisee aus und analysieren Wasserstandsänderungen seit 1,4 Millionen Jahren, um ein umfassenderes Verständnis darüber zu gewinnen, wie Klima und Kontinentaltrennung im Laufe der geologischen Zeit interagieren. Diese Forschung unterstreicht, dass die Plattentektonik nicht nur ein langsamer, innerer Erdprozess ist – sie wird aktiv von den Oberflächenbedingungen, insbesondere der Verfügbarkeit von Wasser, beeinflusst.

Die Studie beweist, dass das Klima nicht nur ein Ergebnis geologischer Aktivität ist; Es ist auch ein Treiber dafür und hat Auswirkungen auf das Verständnis der Kontinentalverschiebung und der seismischen Aktivität in Ostafrika und darüber hinaus.