Weltraum, Silizium und Spikes

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Forscher aus Cambridge starren auf Satelliten, um den britischen Igel zu retten. Es ist keine Metapher.

Mit einem KI-Tool namens Tessera kartieren sie das Land aus dem Orbit. Das Ziel ist präzise: Finden Sie heraus, wo diese stacheligen Säugetiere leben, und beobachten Sie in Echtzeit, wo diese Lebensräume verschwinden. Die Karten sind erschreckend detailliert. Die Rede ist von einzelnen Hecken.

Wolkendecke? Die KI sagt igelfreundliche Zonen voraus, die nicht sichtbar sind.

Es geht um Barrieren. Nicht nur, wo die Kreaturen sind, sondern auch, warum sie keine Partner finden können. Warum sie verhungern.

„Wir hoffen wirklich, dass wir die ganz spezifischen Hindernisse verstehen können.“
— Prof. Silviu Petrovan

Digi-Schweine und Datenverarbeitung

Die Situation ist schlimm. Im Vereinigten Königreich ist die Zahl der ländlichen Igel zwischen 2000 und 2022 um 75 % zurückgegangen. Das ist ein Rückgang um 75 Prozent. Die Art wird weltweit als nahezu bedroht eingestuft.

Petrovan bleibt optimistisch. Er nennt verfolgte Tiere Digi-Schweine. Sie tragen winzige GPS-Rucksäcke, die wie Miniaturwanderer festgeschnallt sind. Diese Daten fließen in das umfassendere Modell ein, das physische Verfolgung mit orbitaler Beobachtung kombiniert. Das passiert auch in Nordirland, aber dieses spezielle Projekt verknüpft Weltraumdaten mit der Bodenwahrheit.

Hier ist jedoch der Haken. Oder vielleicht der Haken. Um Tessera zu trainieren, benötigte das Team umfangreiche Daten. Wir sprechen von 20 Petabyte. Das sind etwa 10 Milliarden digitale Fotos.

Ihnen ging die Rechenleistung der Universität aus. Buchstäblich. Um das Modelltraining aufrechtzuerhalten, installierten die Forscher zusätzliche Prozessoren unter ihren eigenen Schreibtischen. Sie mussten die US-Firmen AMD und Vultr um mehr Infrastruktur anbetteln. Es war hektische Basis-Infrastrukturarbeit, getarnt als hochrangige Wissenschaft.

Das Machtparadoxon

Ist das effizient? Oder einfach nur energieintensiv?

Einige Naturschützer sind beunruhigt. Sie verweisen auf den Stromverbrauch dieser Modelle. Der Einsatz energiehungriger KI zum Schutz der Natur erscheint manchen als widersprüchlich. Es wirft berechtigte Fragen auf. Können wir es uns leisten, mehr Energie zu verbrauchen, um Arten zu retten?

Tessera ist nicht nur für stachelige Haustiere geeignet. Das Open-Source-System hat über 100 Forschungsgruppen angezogen. Anil Madhavapeddy nutzt es, um die britische Landwirtschaft zu kartieren. Es ermittelt über die Jahre hinweg, welche Pflanzen wo wachsen. Es vereinfacht verrauschte, komplexe Satellitenbilder in saubere Karten.

„Satellitendaten sind wirklich kompliziert und verrauscht“, sagte Madhavapeddy. Sie müssen Wolken vertreiben, sich an das Licht anpassen und mit Tag- und Nachtzyklen umgehen. Tessera übernimmt diese schwere Arbeit. Es komprimiert das Chaos zu etwas, das man abfragen kann.

So, jetzt haben wir die Karte. Wir kennen die Barrieren. Wir sehen die Ernte. Wir sehen, wie sich die Wohnsiedlungen in Lebensräume einschleichen.

Aber Sehen löst nicht. Wir haben die Werkzeuge. Die Fragen bleiben offen. Und die Prozessoren unter dem Schreibtisch laufen noch. 🐹🛰️